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Als Galizien die Endstation war
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Innsbruck, Krakau – Die Folgen einer Botschaft waren heiß-kalt. Kaiser Franz Joseph hatte am 29. Juli 1914 sein Kriegsmanifest unter dem Titel „An meine Völker“ verkündet. Daraufhin ertönten am Samstag, 1. August 1914, in ganz Tirol die Glocken, Innsbrucks Maria-Theresien-Straße war voll von jubelnden Menschenmassen. „Endlich ist er da, der große Krieg“, erklärte Viktor Dankl, Generaloberst der Armee im Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn.
In nur wenigen Tagen schlug die unglaubliche Jubelstimmung in blankes Entsetzen um. Begleitet von Militärmusik mussten rund 45.000 Tiroler Soldaten der kaiserlichen Armee – Kaiserjäger und Landesschützen – ab Mitte August an die russische Front in Galizien ausrücken. Sie waren in Viehwaggons mehrere Tage mit kaum 20 km/h unterwegs. Laut dem Innsbrucker Historiker Michael Forcher starben allein in den ersten Wochen des 1. Weltkriegs rund 12.000 Tiroler Soldaten bzw. kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück. Weitere 18.000 gerieten in sibirische Gefangenschaft.
„In den Galizien-Kämpfen wurden viele strategische Fehler gemacht“, resümiert Experte Hans Peter Gärtner, Bundesobmann des Kaiserschützenbundes Tirol 1921. „Im Gegensatz zu den Russen hatten die Tiroler praktisch keine Kriegserfahrungen, trugen noch keine Stahlhelme, starben auch an Cholera und Ruhr. Nur ein Prozent der Soldaten, die einen Bauchschuss erlitten, haben überlebt. Tausende sind verblutet.“
Das 78.500 Quadratkilometer große Land gehörte von 1772 bis Kriegsende 1918 zur Habsburger-Monarchie. Das historische Galizien mit den Städten Krakau, Przemysl und Lemberg befindet sich heute in Südpolen sowie in der Westukraine.
Anlässlich „100 Jahre Tiroler Galizien-Trauma“ hat die Europaregion Tirol, Südtirol und Trentino ein gemeinsames Großprojekt initiiert: Am 16. Oktober startet der „Gedenkzug Erster Weltkrieg Galizien“ vom Brenner nach Krakau. In Summe reisen 500 Personen mit, 400 davon sind Schülerinnen und Schüler aus der Europaregion.
Aus Nordtirol sind 98 junge Leute dabei – 18 vom Gymnasium Imst, Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Innsbruck (24), Gymnasium Schwaz (36) und Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Kufstein (20).
„Es sind Schulen, in denen der Erste Weltkrieg auf dem Lehrplan steht“, weiß Koordinator Matthias Fink vom Generalsekretariat der Europaregion Tirol in Bozen. Die Schüler haben mit ihren Lehrern einschlägige Projekte vorbereitet. Eine Gruppe wird ein Online-Tagebuch zur fünftägigen Exkursion gestalten, eine andere liest aus Briefen von Kriegsteilnehmern vor. „Vor allem soll der Bogen von den historischen Ereignissen bis in die Gegenwart und Zukunft gespannt werden“, sagte Fink.
Auch LR Beate Palfrader wünscht sich Bewusstseinsbildung und Aufarbeitung von Geschichte: „Leider ist Europa noch immer nicht frei von Kriegen. Für mich ist es erfreulich, dass sich zahlreiche junge Leute mit dem Aufarbeiten der Galizien-Kriege befassen und ein Erinnerungspaket schnüren.“
Höhepunkt der Galizien-Tage ist ein Gedenkakt mit den drei Landeshauptleuten Günther Platter, Arno Kompatscher (Südtirol) und Ugo Rossi (Trentino) am 18. Oktober in Krakau. Die Tiroler Tageszeitung wird aktuell aus Galizien berichten. (hwe)
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