Die Galizien-Urlaube von Marcus Metz werden am 26. April im Festungskeller ein klingendes Nachspiel haben. Metz, Musiker und Vorstandsmitglied des veranstaltenden Rüsselsheimer Folk- und Jazz-Clubs Dorflinde, war im grünen, atlantischen und unverbauten Norden Spaniens Urlauber, Folkfan, Konzertagent und -veranstalter in einer Person und hat auf eigene Faust die Gruppen „Davide Salvado Trio“ und „Talabarte“ nach Rüsselsheim geholt.

Metz, Gitarrist der Irish-Folk-Band „An Tor, stieß bei seinem ersten Galizien-Urlaub im Jahr 2001 auf das für Spanien eher untypische Musikphänomen – eine traditionelle Folkmusik, die ungeübte Ohren in Schottland, Irland oder der nicht weniger grünen Küste der Bretagne beheimaten würden. „Mit Flamenco hat der galizische Folk nichts zu tun“, sagt Metz und verweist auf das typischste Instrument des Genres – den Dudelsack. Diese Weltnische des Folk einmal in Rüsselsheim hörbar zu machen, war fortan Metz’ Ziel. Bei seinem jüngsten Aufenthalt in der Region um Santiago de Compostela im Sommer 2012, der Endstation des legendären Jakobswegs, hatte der Rüsselsheimer schließlich Erfolg. Der Weg dahin war nicht jakobswegtypisch lang und steinig, eher hat Metz der Zufall geholfen, der ihn in Santiago de Compostela in die Kulturkneipe „Casa das Crechas“, das Zentrum der galizischen Folkszene, geführt hat, wo der hauptberufliche Jurist Metz dank guter Spanischkenntnisse mit dem Mitbetreiber des Kulturtreffs, Vitor Belho, ins Gespräch kam. Belho wiederum stellte Metz Aitana Eanes vor, die Programmchefin des Hauses, und der Anfang war mehr als gemacht, denn mit dem „Davide Salvado Trio“ kommt schlicht die Hausband des „Casa das Crechas“ nach Rüsselsheim.

Bei der Auswahl der Bands mussten Eanes und Metz stets die Kosten im Hinterkopf haben – zu teure Musiker, Metz spricht von den „Oberprofis“, kann sich die Dorflinde nicht leisten, andererseits mussten Qualitätsansprüche gewahrt und durfte es nicht zu puristisch werden, was diejenigen Gruppen ausschloss, die in loser Folge ein paarmal im Jahr mit ihren Dudelsäcken und Trommeln auf Hochzeiten oder Festen spielten.

Mit „Talabarte“ und dem „Davide Salvado Trio“ sind Kosten und Qualität im Lot, auch weil Metz das Marketing-Schwungrad für das Konzert Ende April in den nächsten Wochen stetig weiter auf Hochtouren bringen wird, damit die maximal 300 Plätze im Festungskeller am Konzertabend möglichst alle besetzt sind.

Metz To-do-Liste ist entsprechend prallvoll. Unter anderem knüpft die Dorflinde Kontakt zu den galizischen Kulturvereinen in Deutschland, die es etwa in Hannover, Osnabrück, Nürnberg oder München gibt, den Weg dorthin ebnet den Konzertmachern der galizische Kulturverein in Frankfurt. Als Sponsor konnte das spanische Fremdenverkehrsamt gewonnen werden, das beim Druck der hochwertigen Flyer unterstützte, die jetzt in 200 Büchereien rund um Rüsselsheim ausgelegt werden. Zusätzlich wird der Termin über einschlägige Folk-Plattformen im Internet bekannt gemacht.

Auch der Konzertrahmen wird aufgewertet: die spanischen Tourismusförderer sind mit einem Info-Stand dabei, es wird galizischer Wein ausgeschenkt und Festungswirt Peter Kolb steuert einen galizischen Gaumenkitzler bei, in dessen Zubereitung er sich jetzt einarbeitet, um den Dorflindlern um Metz bis zum Konzertabend fortschrittsweise Kostproben vorzulegen – die Teigpastete Empanada, gefüllt mit Thunfisch.

Die insgesamt sechs Musiker kommen in Begleitung von Aitana Eanes mit dem Flugzeug nach Rüsselsheim, sind gerade einmal den Konzertabend hier, übernachten im Columbia Hotel, und fliegen früh am nächsten Morgen wieder zurück. „Viel Zeit für ein Miteinander wird es nicht geben“, bedauert Metz. Die Kosten für Flug, Flughafentransfer, Übernachtung und auch für Leihinstrumente stemmt die Dorflinde.

Auf Metz To-do-Liste steht auch, einen Weg zu finden, die Inhalte der von Davide Salvado auf galizisch (ist dem Portugiesischen verwandt) gesungenen traditionellen Lieder dem Rüsselsheimer Publikum nahe zu bringen. Derartige Texthilfe ist bei „Talabarte“ nicht nötig, während Salvado der Folk-Tradition seiner Heimat verhaftet ist, sein charismatischer Gesang von Akkordeon und Trommel begleitet wird, reichert das Trio „Talabarte“ seinen rein instrumental gespielten tanzbaren Virtuosenfolk mit Jazz- und Weltmusikelementen an.

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